Jacqueline Conrad ist vielseitig tätig: Sie arbeitet als Theatermalerin am Staatstheater Darmstadt, schreibt Bücher, gestaltet eigene künstlerische Arbeiten und begleitet nebenberuflich Menschen in Trauer. Foto: Ritzert/Deichert

Große Bilder und leise Gespräche

Jacqueline Conrad aus Hahn ist Theatermalerin, Autorin und Trauerbegleiterin

KulturMenschenPfungstadt

Hahn (rd). Manchmal steht Jacqueline Conrad mitten auf einem Bild. Und zwar ganz wörtlich. Wenn die Theatermalerin am Staatstheater Darmstadt an einem sogenannten Prospekt arbeitet, liegt der zu bemalende Stoff auf dem Boden des großen Malersaals. Zehn Meter hoch und 20 Meter lang kann ein solches Bühnenbild sein. Mit langen Pinseln entstehen darauf Motive und Oberflächen, die später beispielsweise wie Holz, Beton oder Metall wirken sollen.
Kreativität begleitet die 56-Jährige schon fast ihr ganzes Leben. Geboren wurde Conrad in Quedlinburg in Sachsen-Anhalt. In der damaligen DDR lernte sie Schriften- und Plakatmalerin. Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze kam sie mit ihrer Familie nach Darmstadt. Zunächst führte ihr beruflicher Weg in den sozialen Bereich: Einige Jahre arbeitete sie in einer diakonischen Einrichtung. Doch die Kunst fehlte ihr.

Über ein Praktikum fand Conrad schließlich ans Staatstheater Darmstadt. Seit dem Jahr 2000 arbeitet sie dort als Theatermalerin – mittlerweile also seit mehr als 25 Jahren. Das Künstlerische ist jedoch nur eine Seite, die sie erfüllt. „Ich könnte mich für keins entscheiden, wenn ich müsste“, sagt sie über die Kreativität und die Arbeit mit Menschen.

Seit fast 20 Jahren lebt Conrad in Hahn. Vor rund zehn Jahren begann sie zu schreiben. Die Inspiration zu ihrem ersten Kinderbuch fand sie beim Wandern. Die weichen Blätter des Wollziests erinnerten sie an Hasenohren. Conrad stellte sich eine Hasenversammlung unter der Erde vor – und die Fantasiewelt „Masabi Ell“ begann zu wachsen.

In „Masabi Ell – Eine Waldgeschichte“ gelangt eine Katze in einen geheimnisvollen Wald und trifft dort auf Fantasietiere. Freundschaft, Zusammenhalt, Natur und kleine Lebensweisheiten fließen in die Handlung ein. 2020 folgte mit „Masabi Ell – Über die Berge“ ein zweites Abenteuer. Zu ihren Figuren nähte Conrad Stofftiere und präsentierte sie gemeinsam mit den Büchern auf Kunsthandwerksmärkten.

Dann bekam ihr kreatives Schaffen eine andere Richtung. Innerhalb von drei Jahren starben ihre Tante, ihre Großmutter und ihre Mutter. Besonders mit ihrer Mutter verband sie eine innige Beziehung. „Ich wollte es irgendwie verstehen und begreifen“, sagt Conrad über ihre intensive Beschäftigung mit Sterben, Tod und Trauer.

Daraus entstand „An deiner Seite“, ein sehr persönliches Buch über die letzten Wochen ihrer Mutter und Conrads Weg durch das erste Trauerjahr. Sie malte großformatige Bilder und begann, lyrische Gedichte zu schreiben. Eine Auswahl erschien später unter dem Titel „In meinem Innern – Gedichte vom Trauern und Weiterleben“.

Schließlich führte sie ihre Erfahrung wieder zu ihrer zweiten großen Lebenslinie: der Arbeit mit Menschen. Conrad absolvierte eine umfangreiche Qualifikation zur Trauerbegleiterin und ist seit Anfang 2023 zertifiziert. Heute arbeitet sie nebenberuflich in diesem Bereich, führt persönliche Gespräche und bietet Trauerspaziergänge an. Ihre Abschlussarbeit wurde ebenfalls zum Buch: „Ylvi und der Drache – Eine märchenhafte Erzählung von Liebe und Trauer“. Es ist, sagt Conrad, ihr persönliches Lieblingsbuch.

Auch das nächste kreative Projekt nimmt bereits Gestalt an. Conrad modelliert derzeit den in Darmstadt bekannt gewordenen Stadtkater Einstein. Ihre Figur soll als künstlerische Vorlage für das geplante Denkmal des 2025 verstorbenen Katers dienen.

So unterschiedlich ihre Arbeiten auch sind: Für Conrad gehören Kunst und Menschlichkeit zusammen. Mal entstehen daraus meterhohe Bühnenbilder, mal Bücher und Gedichte – und manchmal ein Gespräch mit einem Menschen, der gerade einen schweren Weg geht.

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