Weiterstadt (red). „Musik ist wie kaum ein anderes Medium in der Lage, Gefühle zu wecken. Sie kann aufwühlend oder beruhigend wirken, sie kann uns zum Weinen und zum Lachen bringen. Sie bringt noch jedes Tanzbein zumindest zum Zucken. Ein Leben ohne Musik ist kaum vorstellbar.“
Davon sind auch die Musizierenden der SGW-Abteilung Musik überzeugt. Ihrer Einladung zum Herbstkonzert am 26. September waren dann auch zahlreiche Weiterstädterinnen und Weiterstädter gefolgt und füllten das Bürgerzentrum bis auf den letzten Platz. „Ebensoviele Zierkürbisse fanden ihren Weg auf die herbstlich geschmückten Tische. Diese herrlich individuell geformten Fruchtgemüse gaben dem Saal mit ihren vielen unterschiedlichen Farben eine besondere Atmosphäre“, so die Musikabteilung.
Ein Abend mit Musik, die alle bewegt
Schon das Eingangsstück „Das große Tor von Kiew“ forderte das Publikum auf, sich gedanklich von ihren Stühlen zu erheben und mit dem Orchester majestätisch durch dieses Bauwerk zu schreiten. Die Melodie des Stückes scheint gleichzeitig mit einer Leichtigkeit zu strahlen und den pompösen Glanz einer Prozession darzustellen.
Im alten Rom mit „Gladiator“, in New York mit „Maria“
Während Mussorgskys Werk also mit weniger Drama auskam, transportierte Hans Zimmers „Gladiator“ hörbar den Kampf um Leben und Tod in den Saal. Timo Prenzer moderierte passend „es fehlt nur das Kunstblut“, und schon hätte sich das Weiterstädter Publikum mitten im alten Rom zwischen Kettengerassel und Schwertkampf wiedergefunden.
Thematisch ebenso in schwierigen Zeiten angesiedelt, aber mit eine Geschichte mit glücklichem Ausgang, ist das Musical „Oliver“ (Twist). Diese Musik lässt den Zuhörenden leicht vergessen, welche Not die Jungen in der Geschichte im alten London erleiden mussten, und muntert sie mit verspielten Melodien und animierenden Rhythmen geschickt auf.
Ganz in diesem Sinne besuchte das Orchester in Wien den Opernball. Beim fröhlichen Walzer Medley einmal quer durch alle Tonarten fehlte nicht viel, um das Bürgerzentrum zum Tanzsaal zu wandeln. Der erste Teil des Abends endete mit einem wunderschönen Spaziergang durch New York. Musikalisch toll umgesetzt spürte man die Hektik der Millionenstadt neben der Ruhe der Natur im Centralpark, oder dem coolen und verruchten Klang eines versteckten Jazzkellers in Harlem. Wer genau aufgepasst hatte, konnte hier zahlreiche Referenzen zur Erkennungsmelodie der „Maria“ aus der „Westside Story“ hören.
Von Mexiko durch die USA bis nach Africa
Mit dem herausfordernden „Children of Sanchez” startete der zweite Teil. Ein Hauch von Mexiko und die emotionale Kraft der Musik zogen jeden in ihren Bann. Es schweben wunderschöne Melodien von Solo-Trompete (Frank Gärtner) und Saxofon (Andreas Merz) über wilden schnellen Rhythmen, die sich, beim Schlagwerk beginnend, durch alle Register verteilen. Hiernach brillierte das komplette Saxofon-Register und konnte sich in dem energiegeladenen Jazz Rock Medley „Sax, Wind & Funk“ solistisch vorstellen. Das Programm stand jetzt ganz im Zeichen des letztjährigen Symphonic Rock’n Jazz und ließ einige Highlights noch einmal Revue passieren.
Das fetzige „Holding out for a Hero“ und das gefühlvolle „Feeling Good“ mit Tamara Rothermel am Gesang oder Roger Ciceros Hit „Murphys Gesetz”, gesungen von Marc Wuthe, der an diesem Abend auch wieder zahlreiche Parts am Klavier übernommen hatte. Nicht Murphy, sondern Timo Prenzer überzeugte hierbei an der Solo-Posaune. Mal abwechselnd, mal gemeinsam sangen sich Uwe Becker und Udo Lotz auf den „Highway to Hell“, während Toto’s „Africa“ als Zugabe diesmal rein instrumental erklang. Zum Abschluss spielte das Orchester den einzigen traditionellen Programmpunkt. Als schöne Erinnerung an die Konzertreise nach Kiens gab es den Marsch „Transalpinia“, den die Kiener Freunde der SGW geschenkt hatten.
Den größten Applaus erhielten die Kleinsten
Den größten Applaus haben sich die Kleinsten verdient. Zu den Orchestern der Abteilung gehören auch die Allegros und die Young Symphonics. Beide Gruppen lieferten eine außergewöhnliche Performance. Angesichts eines ausverkauften Saals war von Nervosität trotzdem fast nichts zu spüren. „Im Gegenteil, die jungen Musizierenden erzeugten einen Wahnsinns-Klang und spielten sich mit großer Freude und Sicherheit durch ein anspruchsvolles Programm“, berichtet die SGW Musikabteilung stolz. Die Allegros überzeugten beispielsweise mit „Popcorn“, bei dem neben dem Spielen der Instrumente auch im Rhythmus und zum Ende immer schneller werdend aufgestanden werden muss.
Die Young Symphonics glänzten mit drei Nummern aus dem Albrecht-Dürer-Schulmusical „Alles nur geklaut“. Besonders erfreulich war, dass auch die Gesangstalente für das nächste Symphonic Rock’n Jazz gleich mitgebracht wurden. „It’s only a matter of time“ mit Sabella Begene und „A brand new day” mit Ella Strumberger werden dem Publikum noch lange in guter Erinnerung bleiben.
Das nächste Wiedersehen mit der Abteilung Musik der SG Weiterstadt gibt es am 3. Advent, dem 13. Dezember, beim Weihnachtskonzert in der katholischen Kirche Weiterstadt.
