Einhausen (ps). Matthias Würsching hat es geschafft. Der Einhäuser Kürbis-Spezialist hat kürzlich die Deutsche Meisterschaft beim Kürbiswiegen im baden-württembergischen Ludwigsburg gewonnen. Mit einem Gewicht von stolzen 986 Kilogramm ließ sein Riesengewächs der Sorte „Atlantic Giant“ die Konkurrenz weit hinter sich. Der zweitplatzierte Kürbis von einem Züchter aus Brandenburg erreichte „nur“ ein Gewicht von 562 Kilogramm.
Die Deutschen Meisterschaften fanden im Rahmen der weltgrößten Kürbisausstellung bei der Dauergartenschau „Blühendes Barock“ im Park des Residenzschlosses Ludwigsburg statt. 30 Kürbiszüchter nahmen daran teil, berichtet Würsching im Gespräch mit der Redaktion. Zuvor wurde Matthias Würsching in Hofheim mit einem 765 Kilo schweren Exemplar zum Hessischen Meister gekrönt. Nicht nur die Hessenschau, auch die Tagesschau berichtete über seine Erfolge.
Mit seinen Siegen in Ludwigsburg und Hofheim knüpft er an vergangene Titelgewinne an. So holte er bereits bei den Deutschen Meisterschaften in den Jahren 2016, 2023 und 2024 den ersten Preis – letzteren mit einem Rekordgewicht von 1005 Kilogramm. Mit seinem Sieg in diesem Jahr ist der Einhäuser damit bereits zum vierten Mal Deutscher Meister geworden.
Der Kürbis wird bis zum Ende der Kürbisausstellung im Blühenden Barock ausgestellt und am 1. November im Rahmen des „Kürbisschlachtfests“ geschlachtet. „Die Züchter entnehmen die Kerne, das Fruchtfleisch wird kostenlos an Besucher verteilt“, schildert der frischgebackene Deutsche Meister das Prozedere. „Der Kürbis ist absolut genießbar, hat aber nicht so eine gute Qualität wie zum Beispiel ein Hokkaido- oder Butternutkürbis.“ Die Riesenkürbisse, die im Hofladen von Matthias Würsching und Ehefrau Annemarie ausgestellt werden, dienen in der Regel als Tierfutter. „Schafe und Kühe fressen sie kleingehäckselt sehr gerne.“
Um Früchte in dieser Gewichtsklasse zu züchten, ist ein großer Aufwand erforderlich. „Es ist ein arbeitsintensives Hobby, die Pflanzen brauchen tägliche Pflege: Beschneidung überflüssiger Triebe, Unkraut jäten, gießen et cetera“, beschreibt Würsching den Arbeitsaufwand. „Soll der Kürbis nur 200 bis 300 Kilogramm wiegen, ist der Pflegeaufwand deutlich geringer.“ Für den Transport wird der Kürbis mit einem besonderen Hebegeschirr mittels Hilfe eines Radladers oder Traktors auf eine Palette gehoben. Anschließend wird er auf einen Autoanhänger gehoben und mit Spanngurten gut gesichert.
Der „Atlantic Giant“ ist die einzige Kürbissorte, mit der man einen Riesen mit einem Gewicht von einer Tonne züchten kann. Wie Würsching berichtet, wurde sie in den 1970er-Jahren von Howard Dill aus Kanada entwickelt, der über viele Jahre seine Kürbisse ausschließlich auf Gewicht selektiert und gezüchtet hatte. „Wer große Kürbisse züchten will, kommt an dieser Sorte nicht vorbei“, so der Einhäuser Kürbiszüchter. „Alle anderen Kürbissorten kommen an diese Gewichte bei weitem nicht heran.“
Den Weltrekord hält Matthias Würsching derzeit nicht. „Durch ständige Selektion des Saatguts und verbesserte Anbaumethoden steigen die Durchschnittsgewichte weiter.“ Absolute Weltspitze ist derzeit Ian Paton aus England, der kürzlich mit einem 1295,8 Kilogramm schweren Exemplar einen neuen Weltrekord aufgestellt hat. Die Entwicklung ist dynamisch. Vor 40 Jahren lag der Weltrekord noch bei 300 Kilogramm, im Jahr 1996, also zehn Jahre später, bei 480 und 2006 bei 680 Kilogramm. Weitere zehn Jahre später war man bereits bei 1190 Kilogramm angelangt. Am Limit ist man laut Würsching bisher noch nicht. „Unter den Züchtern wird seit Jahren diskutiert, wie lange die Gewichte noch gesteigert werden können, bislang geht es immer weiter nach oben.“
