Hahn (rd). Wenn Nicole Rau die grau-gelbe Einsatzkleidung aus dem Schrank holt, weiß Donna sofort, was bevorsteht. „Dann sind die Hunde on fire“, sagt Rau. Aus dem Familienhund wird ein konzentrierter Personensuchhund. Seit vier Jahren trainiert die 48-jährige Pfungstädterin mit ihrer sechsjährigen schwarzen Deutschen Schäferhündin.
Die Personensuchhunde Südhessen wurden am 29. November 2025 gegründet. Rau ist erste Vorsitzende. Drei der derzeit sieben Mensch-Hund-Teams haben bereits die sogenannte polizeiliche Sichtung absolviert, vier weitere sollen folgen.
Diese Sichtung ist nach Raus Angaben Voraussetzung, wenn ein Team im Rahmen von Vermisstensuchen mit der hessischen Polizei eingesetzt werden soll. Dabei wird unter anderem getestet, ob das Team auch einer rund 24 Stunden alten Spur folgen kann. Rund zwei bis zweieinhalb Jahre Ausbildung seien in der Regel nötig, bis ein Hund einsatzfähig ist.
Donna begann bereits als Welpe mit Sucharbeit. Rau kommt aus dem Hundesport und wollte mit ihrem Hund bewusst eine Aufgabe übernehmen, die im Ernstfall Menschen helfen kann. Ihre Wahl fiel auf das Mantrailing. Dabei verfolgt der Hund anhand eines Geruchsträgers den individuellen Geruch einer bestimmten Person. Er arbeitet an einer langen Leine und setzt möglichst dort an, wo die Person zuletzt sicher gesehen wurde. Flächensuchhunde arbeiten dagegen frei und suchen ein festgelegtes Gebiet nach menschlichem Geruch ab. So lassen sich etwa Waldgebiete großflächig absuchen. Beide Methoden können sich ergänzen.
Nicht jede Spur führt unmittelbar zur vermissten Person. Mantrailer arbeiten häufig richtungsweisend. Endet eine Spur etwa an einer Bushaltestelle oder einem Bahnhof, kann das ein wichtiger Hinweis für weitere Suchmaßnahmen sein. Der Verein war nach Angaben Raus bislang bei rund 15 Einsätzen beteiligt.
Trainiert wird dienstags und donnerstags jeweils etwa zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden. Die Orte wechseln bewusst, denn die Hunde merken sich bekannte Stellen. „Wenn an einer Stelle schon mehrfach jemand gesessen hat, gucken sie dort beim nächsten Mal wieder nach“, erklärt Rau.
Neben den sieben Mensch-Hund-Teams gehören zwei feste Helfer zur Gruppe. Hinzu kommen sogenannte Fremdpersonen, die sich bei Übungen verstecken. Interessierte können als Helfer ins Training hineinschnuppern oder mit eigenem Hund ausprobieren, ob die Sucharbeit infrage kommt. Rau betont allerdings, dass es sich nicht um Freizeit-Mantrailing zur bloßen Hundebeschäftigung handelt.
Die Arbeit erfolgt ehrenamtlich. Viele Fahrt- und Trainingskosten tragen die Mitglieder selbst; zusätzlich kann der gemeinnützige Verein mit Spenden unterstützt werden. Gesucht werden auch wechselnde Trainingsorte. Rau arbeitet hauptberuflich im Altersheim im Nachtdienst. Das lässt sich mit den häufig nächtlichen Alarmierungen oft gut verbinden. Hat sie Dienst, übernimmt ein anderes verfügbares Team.
Für Rau ist Donna weit mehr als ein Einsatzhund. „Die Hunde sind einfach richtige Familienmitglieder“, sagt sie. Im Ernstfall aber gibt Donna mit ihrer Nase die Richtung vor – und der Mensch am anderen Ende der Leine muss ihre Signale richtig lesen.
Weitere Infos: psh-suedhessen.de
