Für Familie Hulm war das Verkaufen nach eigenen Worten „quasi Nebensache“. Sie schätzen das „Socializing“ mit Nachbarinnen, Nachbarn und Besuchenden. Fotos (2): Ritzert/Deichert

Miteinander verkaufen

Der Pfungstädter Hofflohmarkt Süd als Nachbarschaftsfest

Pfungstadt (rd). Musik läuft, der Grill steht bereit, Getränke sind kaltgestellt – und irgendwo zwischen Spielsachen, Kleidung und Haushaltsgegenständen warten die nächsten Käufer. Bei Raimund Hulm, seiner Frau und dem zehnjährigen Sohn war der Hofflohmarkt am Sonntag vor allem eins: ein kleines Nachbarschaftsfest vor der eigenen Haustür. „Das Verkaufen ist bei uns quasi Nebensache“, sagte Hulm. Viel wichtiger sei es, mit den Nachbarn zusammenzustehen, gemeinsam zu essen, zu trinken und einen entspannten Tag zu verbringen.

Ganz nebenbei wechselte trotzdem einiges den Besitzer oder die Besitzerin. Vor allem Sachen des Sohnes hatte die Familie aussortiert. Leicht fiel das nicht immer. Manche Stücke begleiten die Familie schon seit dessen Geburt. Doch bevor Dinge ungenutzt bleiben, sollen sie lieber anderen noch Freude machen. Genau dieser Gedanke zog sich durch viele der Stände.

Rund 120 Adressen fanden sich auf der Teilnehmerkarte des Hofflohmarkts Süd. Von 10 bis 16 Uhr verwandelten sich Höfe, Einfahrten und Vorgärten in kleine Verkaufsflächen. Gesucht wurde querbeet: Comics für die Sammlung, Bücher zum Schmökern, ein Fußballschal vom Lieblingsverein, Deko, Haushaltswaren oder Spielzeug. Besonders viele Kindersachen lagen aus – praktisch für Familien, denn aus Kleidung und Spielsachen ist der Nachwuchs oft schnell wieder herausgewachsen. Manche Trends gingen besonders schnell: An einem Stand waren „Paw Patrol“-Artikel nach wenigen Minuten verkauft.

Auch Judith und Markus Klein gefiel vor allem das unkomplizierte Konzept. Sie machten erstmals beim Hofflohmarkt mit. Der Vorteil: nichts weit transportieren, sondern direkt vor dem eigenen Haus verkaufen. Was am Ende übrig bleibt, wird einfach wieder hineingeräumt. Kaffee, ein Getränk und Gespräche mit den Nachbarn gehörten für sie genauso dazu wie der Verkauf. So bekam mancher Hof fast den Charakter eines kleinen Straßenfests.

Dass auf einem Flohmarkt nicht nur Gebrauchsgegenstände ein zweites Leben bekommen können, zeigte Hans Dillich. Neben Aussortiertem bot er selbst gefertigte Holzarbeiten an: Kerzenhalter, Blumengefäße, Kartenhalter und kleine Hängedekorationen. Er verarbeitet Restholz, altes Holz und Stücke von Bäumen vom eigenen Grundstück. Selbst Kupferdrähte aus alten Stromleitungen verwendet er weiter. Gerade die natürliche Maserung des Holzes macht für ihn den Reiz seiner Arbeiten aus.

Kreativ ging es auch bei Astrid Zimmermann zu. Aus Fliesenresten, die sie gefunden hatte, fertigt sie mosaikartige Kugeln. Im Garten dienen sie später etwa als dekorative „Blüten“ zwischen Bärlauch.

Wie breit das Angebot war, zeigte sich auch bei Julia, die bereits mehrfach teilgenommen hat. Kleidung, Kindersachen, Gläser, Elektrosachen und Haushaltswaren lagen in ihrem Hof aus. Sehr gut erhaltene Kinderbücher wechselten dort für jeweils einen Euro den Besitzer.

Das Wetter spielte über weite Strecken mit. Erst gegen Ende zogen Regenwolken auf. Da hatten viele Besucherinnen und Besucher ihre Runden längst gedreht – und mancher Kellerfund bereits ein neues Zuhause gefunden.

Hans Dillich präsentierte neben Flohmarktartikeln seine selbst gefertigten Holzarbeiten. Kerzen- und Kartenhalter, Blumengefäße, Flaschenöffner sowie kleine Hängedekorationen. Er mag es „Dingen ein zweites Leben zu geben“.
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