Bei der Aufklärungsveranstaltung des Weiterstädter Imkervereins konnten sich die Bienenexperten ein Bild vom Innenleben eines Asiatischen Hornissennestes machen, in der Mitte (mit schwarzer Mütze) Moritz Jungblut-Heß. Fotos (3): Schreiber

Fliegende Gefahr mit gelben Beinen

Weiterstädter Imker im Kampf gegen die Invasion der Asiatischen Hornissen

NaturVereineWeiterstadt

Fliegende Gefahr mit gelben Beinen

Aktuell
Bei der Aufklärungsveranstaltung des Weiterstädter Imkervereins konnten sich die Bienenexperten ein Bild vom Innenleben eines Asiatischen Hornissennestes machen, in der Mitte (mit schwarzer Mütze) Moritz Jungblut-Heß. Fotos (3): Schreiber

Weiterstädter Imker im Kampf gegen die Invasion der Asiatischen Hornissen

NaturVereineWeiterstadt

Weiterstadt (sas). Das dunkle Brummen verrät eine Hornisse recht schnell – immer wieder kann sich eine Hornisse in die Nähe von Menschen wagen, doch bei ihrer Einordnung ist die Färbung entscheidend: Die streng geschützte Europäische Hornisse hat einen hellgelben Hinterleib und einen rotbraunen Brustbereich, während die invasive Asiatische Hornisse etwas breiter ist, eine schwarze Grundfärbung und gelbe Beinenden hat. Die heimische Hornisse ist außerdem nachtaktiv, im Gegensatz zur Asiatischen Gattung. Aufklärung tut Not: Während die europäische Hornisse unter Naturschutz steht, gilt die Asiatische Hornisse als ein gefährlicher Schädling mit erheblichem Potenzial zur Schädigung von Honigbienen.

Zu einem speziellen Aufklärungstermin im Imkerverein Weiterstadt hatte kürzlich Moritz Jungblut-Heß eingeladen, im Verein Zeugwart und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Er gehört zu den engagierten Imkern, die sich seit geraumer Zeit der Bekämpfung der sich ausbreitenden Asiatischen Hornisse verschrieben haben. Jungblut-Heß ist auch Mitglied einer bundesweiten „Hornissen-Task Force“, die sich per WhatsApp organisiert hat, um schnell agieren zu können. 800 Menschen sind bereits in der Gruppe, davon allein 80 aus Hessen.

Zur Anschauung wurde vor Ort ein kleines Sekundarnest auseinandergenommen, das in einem alten Vogelnest gefunden wurde. Darin haben die Imker sage und schreibe zwölf Königinnen gefunden, ohne zu wissen, was in den vielen weißen Larven noch ist – ein enormes Potenzial zur Weiterverbreitung.

Honigbienen werden von den Hornissen gefressen
Die größte Gefahr stellen die Asiatischen Hornissen für Bienenvölker und die Insektenvielfalt dar, wie Jungblut-Heß erläutert: „Diese Hornissen snacken 25 bis 50 Honigbienen pro Tag, ein ganzes Volk kann bis zu elf Kilo Insekten pro Jahr verzehren. Und das große Problem ist die Größe dieser Hornissenvölker, die bis zu zehnmal größer werden können als die heimischen Völker“, so Jungblut-Heß.

Die Vespa velutina stammt ursprünglich aus Südostasien, ist jedoch heute in weiten Teilen Deutschlands etabliert. 2004 wurde sie zum ersten Mal in Frankreich gesichtet, erste Funde in Deutschland wurden 2014 gemeldet. Erst seit 2025 hat das Bundesumweltministerium die Art als „weit verbreitet“ eingestuft, seit diesem Jahr nimmt die Ausbreitung stark zu. In Frankreich werden aktuell auf einem Quadratkilometer sechs bis sieben Nester gezählt.

Primärnester oft in Kopfhöhe in der Nähe von Häusern
„Normalerweise bauen die Hornissen von März bis Juni ihre Primärnester, in diesem Jahr wurde der Zeitraum des Nestbaus komplett gesprengt“, sagt Jungblut-Heß, „von Juli bis November können sich daraus noch wesentlich größere Sekundärnester entwickeln“. Das gefährliche an Primärnestern ist ihre Lage: Sie bauen vornehmlich in Kopfhöhe, in alten Schuppen, abgelegten Rattanmöbeln, Gartenhäusern, Dachvorsprüngen, Hecken oder Rollladenkästen. Die hellbraunen Nester sind golfball- bis handballgroß. Die Sekundärnester ziehen im Herbst in höhere Regionen von über zehn Metern, meist in Baumkronen, aber auch an Gebäuden oder Schornsteinen, und werden bis zu 80 Zentimeter breit und einen Meter hoch.

Asiatische Hornissen spucken bis zu zwei Meter weit
Die Asiatischen Hornissen sind für den Menschen nicht wirklich gefährlich, können aber angreifen, wenn sie ihr Nest verteidigen wollen. Deswegen sei es extrem wichtig, dass ein Primärnest früh erkannt und fachgerecht entfernt wird. Jungblut-Heß zeigt Fotos eines Einsatzes in der Darmstädter Straße in Weiterstadt, wo ein Nest völlig unbemerkt in einer Hecke zur Straße eingezogen war, „ein Ball, der aus Versehen dort gelandet wäre, hätte die Tiere mit Sicherheit aufgescheucht.“ Nicht nur die Stiche seien unangenehm, auch die Ausscheidungen der Insekten – sie können bis zu zwei Meter weit spucken.

In Weiterstadt 15 Nester in diesem Jahr gefunden
In allen Stadtteilen in Weiterstadt wurden bislang 15 Nester gefunden, 40 Nester waren es im vergangenen Jahr allein in Darmstadt. Jungblut-Heß ruft die Bürger auf, aufmerksam zu sein und jedes Tier oder Nest zu melden. „Jede Sichtung hilft, ihre Ausbreitung zu dokumentieren und letztlich zu bekämpfen. Verboten sind Wespenfallen, weil auch andere und geschützte Arten getötet werden könnten. Die Fachleute in Deutschland nutzen vornehmlich Absaugungen und das Einfrieren der Nester beziehungsweise der Beute“.

Die Weiterstädter Imker waren sich einig, dass die Entwicklung nur schwer prognostizierbar ist – die Gefahr für die wertvollen Honigbienen allerdings bleibt bestehen.
Meldungen mit Fotos: hessen.meldeportal.cloud

Schwarze Färbung, ein oranger Ring am Hinterleib und gelbe Beine – die Hauptmerkmale einer Asiatischen Hornisse, deren Arbeiterinnen 1,7 bis 2,4 Zentimeter groß werden.
In diesem alten Vogelnest in einem Nistkasten hat sich unbemerkt ein Asiatisches Hornissennest entwickeln können, prall gefüllt mit weißen Larven und mindestens zwölf Königinnen.
Nächster Beitrag
Toller Einsatz für die Umwelt
Vorheriger Beitrag
Weiter im Flow