Pfungstadt (rd). Wenn eine Gruppe alter Mofas knatternd durch die Straßen zieht, bleiben die Blicke nicht aus. Besonders Kinder zeigen begeistert auf die Fahrzeuge und winken. Solche Momente lieben die „Phunk Town Moes“. Sobald die Gruppe gemeinsam vorfahre, schauten und lachten die Menschen, erzählt Vize-Präsi Christian, den alle nur „Krebbel“ nennen. Die alten Zweiräder verbreiteten gute Laune – ganz gleich, ob frisch poliert oder von Rost und Patina gezeichnet.
Die Geschichte begann 2007. Damals kauften sich einige Jugendliche ihre ersten Mofas, schraubten daran und unternahmen gemeinsame Fahrten. Aus Spaß nannten sie sich „PTM – Phunk Town Moes“. „Phunk Town“ spielt auf Pfungstadt an, „Moes“ auf die Mofas. Der Name blieb in Erinnerung, selbst als einige Maschinen verkauft oder ausrangiert wurden.
Jahre später folgte die zweite Welle: Weitere Menschen aus dem Freundeskreis ließen sich anstecken und aus der alten Idee entstand die heutige Gruppe. Inzwischen zählt der private Club über zehn Mitglieder – Frauen und Männer –, die gemeinsam rund 30 Mofas und Mopeds besitzen. Ein eingetragener Verein sind die „Phunk Town Moes“ nicht, sondern eine lockere Interessengemeinschaft mit selbst gewählten Titeln. Felix Wlotzek ist der „Präsi“, Christian der „Vize-Präsi“ und Marco Heil der „Road Captain“.
Wie schnell die Begeisterung überspringt, zeigt Andreas Schroer. Als er einmal mit schlechter Stimmung zu Felix in die Werkstatt kam, warteten dort zwei laufende Mofas. „Es gibt nichts Besseres gegen schlechte Stimmung als eine Tour mit dem Moped“, erklärte Felix. Sie fuhren über Groß-Gerau und Weiterstadt. Keine zwei Wochen später kaufte Andreas auf einem Campingplatz bei Heidelberg sein eigenes Gefährt. Seither gehört auch er dazu.
Treffpunkt ist ein ehemaliger Kuhstall auf privatem Gelände, den „Krebbel“ zur Verfügung stellt und den die Gruppe im vergangenen Jahr gemeinsam erweiterte. Häufig treffen sich die Mitglieder donnerstags. Mal wird geschraubt, gegrillt oder am Feuer gesessen. Es gab auch schon Kartoffelsuppe vom Road Captain und „Manta Manta“ über den Beamer. Einige Freundschaften seien durch das gemeinsame Hobby erst entstanden.
Bei Ausfahrten plant Road Captain Marco die Route, fährt voraus und achtet darauf, dass bei Ampeln oder Pannen niemand verloren geht. Ein Auspuff löst sich, ein Reifen verliert Luft oder eine Maschine streikt – irgendetwas sei fast immer. Das verlängert manche Tour, gehört für die Gruppe aber zum Erlebnis. Dann wird gemeinsam repariert oder die Heimfahrt organisiert. Martin trägt den gruppeneigenen Titel „Mechaniker“ – auch weil er als Einziger eine eigene Mopedhebebühne besitzt. Zuvor nannten ihn die anderen „Meister Abschlepp“, weil er bei Ausfahrten liegen gebliebenen Mitgliedern aus der Patsche half.
Bei den Fahrzeugen ist erlaubt, was gefällt. Im gemeinsamen Fuhrpark finden sich unter anderem Maschinen der Marken Hercules und Solo, eine Vélosolex, eine original gepflegte Jawa Babetta sowie eine individuell gestaltete Piaggio Ciao. Einige mögen Hochglanz, andere Rost, Patina, Weißwandreifen oder einen Fuchsschwanz. Technisch veränderte Maschinen gehören als Showmopeds ebenfalls zur Sammlung. Auf öffentlichen Straßen habe Sicherheit Vorrang: Wer fährt, bleibt nüchtern; Drogen und leichtsinniges Verhalten sind tabu. Sobald jemand stürze oder andere gefährdet würden, sei der Spaß vorbei.
Zu den gemeinsamen Zielen gehört das Oldtimertreffen „Alles was brummt“ in Hähnlein. Beim „Vollgas-Rennspass“ im Darmstädter Velodrom waren die Pfungstädter ebenfalls vertreten; die Radrennbahn steht der Veranstaltung inzwischen nicht mehr zur Verfügung. Künftig könnten sich die „Phunk Town Moes“ ein eigenes Mofa- und Mopedtreffen in Pfungstadt vorstellen. Auch neue Gleichgesinnte sind willkommen. Kontakt gibt es über Instagram unter @ptm_phunk_town_moes.
