Annähernd 25 Jahre haben Gudrun Olschewski und Michael Dietrich als Pfarrerin und Pfarrer bei der evangelischen Kirchengemeinde in Pfungstadt verbracht. Nun werden sie am Kerbgottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Dekanat

Adieu Pfungstadt, hallo Westerwald

Abschied an Kerb: Pfarrehepaar Olschewski/Dietrich geht in den Ruhestand

Adieu Pfungstadt, hallo Westerwald

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Annähernd 25 Jahre haben Gudrun Olschewski und Michael Dietrich als Pfarrerin und Pfarrer bei der evangelischen Kirchengemeinde in Pfungstadt verbracht. Nun werden sie am Kerbgottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Dekanat

Abschied an Kerb: Pfarrehepaar Olschewski/Dietrich geht in den Ruhestand

Pfungstadt (red). Fast ein Vierteljahrhundert haben Pfarrerin Gudrun Olschewski (64) und Pfarrer Michael Dietrich (65) die Evangelische Kirchengemeinde Pfungstadt geprägt, heißt es vom Evangelischen Dekanat in Darmstadt. Am Sonntag, 13. September, werden sie im Kerbgottesdienst um 10.30 Uhr in der Martinskirche von Dekan Dr. Raimund Wirth entpflichtet und in den Ruhestand verabschiedet.

„Etwas wehmütig sind wir schon“, sagen die beiden. Schließlich ist Pfungstadt ihre längste gemeinsame berufliche Station. Kennengelernt hatten sich Olschewski und Dietrich bereits im Vikariatskurs, beide wurden 1990 ordiniert. Gudrun Olschewski war danach Pfarrerin in Langen und Dudenhofen, Referentin der Pröpstin in Frankfurt sowie mit ihrer Qualifikation als Kommunikationswirtin in der Kirchenverwaltung tätig. Michael Dietrich war zuvor zwölf Jahre lang Pfarrer in Dreieich-Offenthal. Der Wunsch, gemeinsam in einer Kirchengemeinde tätig zu sein, führte das Ehepaar nach Pfungstadt, wo beide volle Pfarrstellen bekamen, berichtet das Dekanat. „Wir stehen für Volkskirche“, beschreiben sie ihr gemeinsames Verständnis. Kirche sollte offen sein für alle Generationen und Kulturen, niedrigschwellige Angebote machen und Menschen auch außerhalb der Kerngemeinde erreichen. Deshalb sei es ihnen wichtig gewesen, die Martinskirche als offenen Ort mitten in der Stadt zu etablieren. Die Kirche hätten sie daher auch stärker in die Pfungstädter Kerb einbezogen, mit Kirchenkaffee, Musik, Turmführungen und besonderen Aktionen. Die Kirche beim Hessentag 2023 als „Glückskirche“ mitgestalten zu dürfen oder die „Prinzen“ 2014 und 2017 dorthin zu holen, bleibe ihnen in bester Erinnerung, genauso wie die Tauffeste an der Büchnervilla, ökumenische Gottesdienste wie beim Phungo-Festival oder auch die Zusammenarbeit mit dem Synagogenverein zum 9. November.

„Wir wollen Menschen mit Kirche in Berührung bringen und sie manchmal auch überraschen“, sagt Olschewski. Gerade besondere Veranstaltungen könnten dazu beitragen, Bilder zu verändern, die Menschen von Kirche im Kopf haben. Für sie gehöre dazu auch die Arbeit über den eigenen Kirchturm hinaus: Rund 20 Jahre lang war sie mit kurzen Verkündigungsformaten wie „Zuspruch“ und „Übrigens“ auf hr4 zu hören. Kirche müsse dort präsent sein, wo Menschen leben – und ihnen Trost, Orientierung und einen Gedankenanstoß für den Alltag geben. Gudrun Olschewski war fast 20 Jahre geschäftsführende Pfarrerin der Kirchengemeinde. Zu ihren Aufgaben gehörten Personalverantwortung für zeitweise rund 75 hauptamtlich Mitarbeitende, Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit mit Gestaltung des Gemeindebriefs, Fundraising und Veranstaltungsmanagement. Michael Dietrich war neben Seelsorge und Kasualien vor allem für die Gebäude verantwortlich. Zahlreiche große Sanierungsmaßnahmen an der Martinskirche habe er laut Dekanat während seiner Amtszeit mit dem Kirchenvorstand betreut – von Innenrenovierung und Orgelrestaurierung über Turmsanierung bis zur Dachsanierung. „Alles ist finanziert und bezahlt“, kann er mit Stolz sagen. Michael Dietrich war auch Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Beide würden sich eher als „Arbeiter im Hintergrund“ verstehen. „Wir machen einfach und reden nicht ständig darüber“, sagen sie augenzwinkernd. Nun steht der Ruhestand bevor und damit ein Umzug in den Westerwald, wo sie zurzeit ein Haus sanieren. Dann werde mehr Zeit sein etwa für Fahrrad fahren, reisen, tanzen und weitere persönliche Interessen. Was sie der Kirchengemeinde Pfungstadt für die Zukunft wünschen? Vor allem, dass sie offen bleibe: offen für Menschen, die kommen und gehen, für unterschiedliche Lebensentwürfe und für die Freiheit des Evangeliums. Ihr gemeinsamer Wunsch sei eine Kirche, in der Menschen etwas fänden, das sie durch gute und schwere Zeiten trage.

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