Gratulanten zum Vereinsgeburtstag, von links: Kathrin Witteborg (Sportkreis Darmstadt-Dieburg), Staatsministerin Heike Hofmann, Bürgermeister Maximilian Schimmel, Concordia-Vorsitzende Nicole Sperber, Erster Kreisbeigeordneter Lutz Köhler, Wolfgang Gondolf (Ehrenvorsitzender DJK Diözesanverband Mainz), Monika Kaiser, Präsidentin (DJK Landesverband Hessen). Foto: Verein

Mitte 70 und vital wie nie

Concordia-Jubiläum: Vorsitzende Nicole Sperber blickt auf jüngste Jahre des Vereins zurück

Pfungstadt (rd). Viel Zeit zum Eingewöhnen hatte Nicole Sperber nicht. Ende Oktober 2020 wurde sie zur ersten Vorsitzenden des Sportclubs Concordia Pfungstadt gewählt: Als erste Frau in der Geschichte des Vereins. Nur wenige Tage später kam der Corona-Lockdown. „Da habe ich gedacht: Okay, was mache ich jetzt?“, erinnert sie sich. Statt den Sportbetrieb einfach ruhen zu lassen, trommelte sie die Verantwortlichen zusammen. „Ich habe gesagt: Leute, wir machen das jetzt alles online.“

Sperber selbst gab ihre Kurse aus dem heimischen Wohnzimmer. Eine Lösung aus der Not, die überraschende Folgen hatte: Selbst während des Lockdowns konnte die Concordia neue Mitglieder gewinnen. Viele Menschen saßen zu Hause, bewegten sich weniger oder bekamen Rückenprobleme und nutzten die digitalen Angebote. Einige seien dem Verein anschließend treu geblieben.

Heute kann Sperber auf eine deutliche Entwicklung verweisen. Als sie den Vorsitz übernahm, hatte die Concordia nach ihren Angaben rund 575 Mitglieder. Inzwischen sind es etwa 800. Im Jubiläumsjahr kann der Verein damit nicht nur auf 75 Jahre Geschichte zurückblicken, sondern auch auf eine Phase des Wachstums und der Veränderungen. Sperber sieht ihre Aufgabe dabei nicht allein in der Verwaltung eines bestehenden Vereins. „Für mich bedeutet Vereinsarbeit, etwas für die Gemeinschaft zu tun, den Verein aktiv nach vorne zu bringen und eigene Projekte gemeinsam mit vielen Leuten umzusetzen“, sagt sie. Gerade die Zusammenarbeit und der Austausch mit unterschiedlichen Menschen reizten sie.

Dabei hinterfragt sie auch gewachsene Strukturen. „Ich habe damit begonnen, dass man auch mal andere Wege geht. Sonst wäre der Verein irgendwann eingeschlafen.“ Manche Abläufe seien über Jahrzehnte entstanden und lange nicht mehr grundsätzlich betrachtet worden. Sperber beschreibt ihre Rolle deshalb mit einem Augenzwinkern auch ein wenig wie die einer Qualitätsmanagerin: Warum macht man etwas so und könnte es nicht auch einfacher gehen?

Ein Beispiel ist die Neuordnung von Abteilungen. Früher bestanden zahlreiche kleinere Einheiten, teilweise mit zusätzlichen organisatorischen Aufgaben für langjährige Trainerinnen. Gruppen wurden deshalb zusammengeführt, Verantwortlichkeiten neu verteilt und unter anderem eine gemeinsame Tanzabteilung geschaffen. Auch digital hat sich einiges getan. Mitglieder können inzwischen über einen digitalen Vereinsbereich auf Unterlagen wie ihre Mitgliedsbescheinigung zugreifen.

Sportlich ist die Concordia breit aufgestellt. Zu den Wettkampfsportarten gehören unter anderem Basketball, Judo und Tischtennis. Daneben bilden Fitness und Gymnastik, Kinderturnen, Tanz sowie Outdoor-Aktivitäten einen großen Teil des Angebots. Wandern und Radfahren gehören ebenso dazu wie Line Dance, Bauchtanz, Zumba oder Qigong. Neue Ideen entstehen dabei häufig ganz unkompliziert. Menschen kommen mit einer Sportart oder einem Angebot auf den Verein zu und Sperber versucht, daraus etwas zu machen. „Wenn du was kannst, dann komm zu uns“, beschreibt sie ihre Haltung. Nicht jedes Angebot bleibt für immer, andere entwickeln sich weiter oder kommen neu hinzu.

Eine der größten Herausforderungen sei allerdings, genügend Übungsleiter zu finden. Besonders schwierig werde es, wenn Kurse am Vormittag angeboten werden sollen. Fällt eine Trainerin krankheitsbedingt aus, lässt sich nicht immer kurzfristig Ersatz finden. Auch Sperber kann nicht jede Lücke selbst schließen. Dabei steht sie durchaus regelmäßig in der Halle. Die Vorsitzende gibt selbst verschiedene Kurse aus dem Fitness- und Gymnastikbereich und legt großen Wert auf den gesundheitlichen Aspekt von Bewegung. Für sie gelte: Es sei nie zu spät, mit Sport anzufangen und besser, man beginne, bevor irgendwann der Arzt dazu rät.

Beim Jubiläumswochenende zeigte sich die Vielfalt des Vereins auch abseits des regulären Trainingsbetriebs. Zum Programm gehörten unter anderem Vorführungen, eine Tombola und alkoholfreie Cocktails im Rahmen einer Aktion des Landessportbunds Hessen. Am Sonntag schloss sich ein Gottesdienst an. Für Sperber steht bei solchen Veranstaltungen vor allem die Gemeinschaft im Vordergrund. Diese Gemeinschaft zu erhalten und gleichzeitig Veränderungen zuzulassen, ist für sie ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit. Dass sie als erste Frau den Vorsitz übernommen hat, ist dabei ein Stück Vereinsgeschichte. Entscheidend ist für Sperber jedoch weniger das Geschlecht als die Frage, was gemeinsam bewegt werden kann.

Neben dem Ehrenamt bei Concordia ist ihr Terminkalender inzwischen ohnehin gut gefüllt. Sie arbeitet in Vollzeit, hat Familie und ist seit April Stadtverordnetenvorsteherin in Pfungstadt. Für Sperber geht es darum, offen für neue Sportarten, neue Menschen und neue Ideen zu bleiben, damit der Verein auch in den kommenden Jahrzehnten ein Ort der Bewegung und der Gemeinschaft bleibt.

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