Der diesjährige Jahresausflug des Museumsvereins stand ganz im Zeichen lokaler Historie, bester Sommerlaune und einer besonderen Enthüllung. Foto: Rauschkolb

Auf den Spuren der Geschichte

Museumsverein Griesheim enthüllt Gedenkstein am Kanzeleck

Griesheim (gu). Es war ein geschichtsträchtiger Tag für den Griesheimer Museumsverein, denn der diesjährige Jahresausflug der Mitglieder stand ganz im Zeichen lokaler Historie, bester Sommerlaune und einer besonderen Enthüllung. Im Rahmen der Fahrradtour rund um Griesheim wurden im Wald zwischen Griesheim und Weiterstadt (nahe des Forstbetriebs Gernand) eine Informationstafel sowie ein Gedenkstein für das historische „Kanzeleck“ eingeweiht.
Wie Pressesprecher Marcel Rauschkolb berichtet, brachte eine alte Recherche in den Griesheimer Kirchenbaurechnungen einen interessanten Verkauf zum Vorschein. Danach wurde eine alte Kanzel, die sich einst in der 1507 erbauten und vor dem Bau der heutigen Lutherkirche 1681 teilweise abgerissenen gotischen Kirche befand, im Jahr 1681 an Weiterstadt verkauft. Das genaue Alter der Kanzel konnte bislang nicht ermittelt werden, sie wurde jedoch bereits in den Kirchenbaurechnungen des 17. Jahrhunderts als „alte Cantzel“ bezeichnet. Sechs Gulden soll dieser Verkauf der Gemeinde eingebracht haben. Geld, das dringend für den Kirchenneubau benötigt wurde.

Inmitten des Waldes zwischen Griesheim und Weiterstadt befinden sich das sogenannte „Kanzeleck“ und der „Kanzelweg“. Beide Begriffe sind Teil der Stadtgeschichte. „Könnte hier die Griesheimer Kanzel an Weiterstadt übergeben worden sein?“, heißt es auf der vom Museumsverein enthüllten Informationstafel. Im Jahr 1714 hieß der Kanzelweg noch „In der spitzen Gewann am Weiterstätter Weeg“ und wurde als Verbindungsweg zwischen Weiterstadt und Griesheim genutzt. Die alte Bezeichnung „Kanzel“ für diesen Ort entlang der Landwehr fand sich schon 87 Jahre später auf alten Militärkarten wieder, beispielsweise auf einer Manöverskizze eines Soldaten von 1801.

Das Original des Verkaufsvorgangs der Kanzel ist im evangelischen Kirchenarchiv nicht mehr auffindbar, sodass keine stichhaltigen Beweise dafür vorliegen, dass hier eine Übergabe stattfand. Vielmehr könnte der Name „Kanzeleck“ laut Hessischem Flurnamenbuch auf einen Hochsitz hinweisen, der dort errichtet wurde. Dies könnte auch der Grund sein, wieso dieser Begriff auf der Soldatenkarte niedergeschrieben wurde: Ein markanter Punkt im Wald zur Orientierung.
Noch heute steht die alte Griesheimer Kanzel in der Weiterstädter Kirche. Sie hat als Unterbau einen alten Taufstein aus Sandstein, dessen Oberteil durch die Bemalung mit Öl eine Holzoptik erhielt. Ein Teil der Kanzel ist mit verschiedenen Holzfurnieren belegt, die Rankenornamente darstellen. In Teilen hatte sich die Holzeinlage im Laufe der Zeit gelöst, dort hat man die Ranken nachgemalt.

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