Bensheim (red). Mit Themen wie Mitbestimmung, Vielfalt und friedlicher Konfliktlösung beschäftigten sich die Vorschulkinder der Kita Berliner Ring in den vergangenen Monaten im Rahmen eines Demokratieprojekts, berichtet die Stadt Bensheim in einer Pressemeldung.
„Kinder erleben jeden Tag Gemeinschaft – beim Spielen, Teilen, Streiten und Vertragen. Genau dort beginnt Demokratie“, erklärte Kitaleiterin Ralph Gettel und ergänzt: „Wenn Kinder früh lernen, dass jede Meinung zählt, Unterschiede normal sind und Konflikte friedlich gelöst werden können, stärkt das nicht nur die Kinder selbst, sondern auch unser gesellschaftliches Zusammenleben.“
Unter dem Thema „Vielfalt“ stellten sich jeweils zwei Kinder gemeinsam vor einen Spiegel. Zusammen überlegten sie: Wo sind wir gleich? Wo unterscheiden wir uns? Gemeinsamkeiten wurden auf gelben Karten gesammelt, Unterschiede auf grünen.
Schnell sei deutlich geworden: Manche Kinder haben unterschiedliche Haar- und Hautfarben, andere leben in verschiedenen Familienkonstellationen, haben andere Hobbys oder Glaubensrichtungen. Trotzdem verbinde sie vieles. „Ich mag Fußball und sie mag Malen – aber wir mögen beide Eis“, stellte ein Kind fest. „Kinder erleben Vielfalt ganz selbstverständlich. Entscheidend ist, dass sie lernen, Unterschiede wertzuschätzen und respektvoll miteinander umzugehen“, betonte Erzieherin Jasmin Pahlke.
Die Vorschulkinder lernten, außerdem, dass jedes Kind Rechte hat – unabhängig davon, wo es lebt oder wie es aussieht. Besprochen wurden unter anderem das Recht auf einen Namen, auf Fürsorge, Bildung, Freizeit, Privatsphäre und die eigene Meinung. Besonders eindrucksvoll sei für die Kinder die Erkenntnis gewesen, dass nicht alle Kinder weltweit die gleichen Chancen haben.
Auch das Thema Kinderarbeit habe die Fünf- bis Sechsjährigen bewegt. Dass Spielen keine Selbstverständlichkeit sei, habe viele überrascht. Umso eindeutiger fiel am Ende die Antwort der Kinder auf die Frage aus, welches Recht für sie das wichtigste sei: „Das Recht auf Spielen!“
Dass Demokratie auch bedeute, Konflikte fair zu lösen, lernten die Kinder beim Thema Meinungsverschiedenheiten und Konflikte. Mithilfe eines sogenannten Konfliktteppichs hätten sie geübt, Streitigkeiten ohne Gewalt und ohne Machtgefälle zu begegnen. In Rollenspielen hätten sie unterschiedliche Funktionen bekommen – Streitende oder Schiedsrichter – und gemeinsam nach Kompromissen gesucht.
Höhepunkt des Projekts war das Thema Demokratie und Wahlen. Ausgangspunkt war das Buch „Wer bestimmt auf unserem Hof?“, das erzählt, wie Tiere nach dem Tod des Bauern lernen müssen, gemeinsam faire Entscheidungen zu treffen.
Zusammen mit Ralph Gettel und Jasmin Pahlke hätten die Kinder daraus drei zentrale Regeln für das Zusammenleben erarbeitet: Alle Menschen sind gleich. Alle müssen sich an die Regeln halten. Alle dürfen ihre Meinung sagen.
Anschließend wurde Demokratie praktisch erlebt. Zunächst stimmten die Kinder darüber ab, welchen Nachtisch es geben soll: Schokopudding oder Griesbrei. Das Ergebnis war eindeutig: 16 Stimmen für Schokopudding, vier für Griesbrei.
Einige schlugen außerdem vor, jede Kitagruppe könne an einem festen Tag den Nachtisch bestimmen. Andere wollten Vertreterinnen und Vertreter wählen. Am Ende stand die Wahl einer Vertretung für alle Vorschulkinder der Kita Berliner Ring an.
Fünf Kinder hätten dabei ihre Kandidatur eingereicht und wurden befragt. Ihre Argumente: „Weil ich gut beschützen kann“, „Weil ich lustig bin“ oder „Weil ich gut klettern kann“.
Mit Wahlzetteln und einer geheimen Stimmabgabe schritten die Kinder schließlich zur Wahl in die Kabine. Die Auszählung nach dem Vier-Augen-Prinzip ergab schließlich folgendes Ergebnis: Mit zehn Stimmen, also satten 50 Prozent, wurde Amelie zur Vertreterin aller Vorschulkinder gewählt.
