Frankfurt (mw). Alle Jahre wieder ruft die Eurobike zum Stelldichein der Fahrradszene nach Frankfurt und alle Jünger der Pedalerie folgen. Alle? Nein, das ist bei weitem nicht mehr so und eher lässt sich der Asterix-Almanach noch weiter ausschöpfen als nur bei dieser Andeutung des berühmten Eingangsspruchs zum sich gegen die scheinbar übermächtigen Römer auflehnende Gallier-Örtchens. Denn wie ein Dorf wirkte die mehrtägige Fachmesse in diesem Jahr tatsächlich, umschlossen von den mächtigen Beton- und Glasfassaden des riesigen Frankfurter Messegeländes.
Die veranstaltende „Fairnamic GmbH“ hatte die Eurobike 2026 vom 24. bis 27. Juni zwar offiziell zu einer Übergangsveranstaltung deklariert, doch der Aderlass an namhaften Ausstellenden im Vergleich zu den Vorjahren war deutlich spürbarer als viele sich das sicher gewünscht hätten. Ebenso rückläufig: das Publikumsinteresse. In ihrer Abschlusspressemitteilung berichtet die Messe von 15.130 Fachbesuchenden, 2025 waren es noch über 30.000 gewesen. Im vergangenen Jahr gab es für die Öffentlichkeit zwei sogenannte Festivaltage, an denen knapp 30.500 Menschen die Eurobike besuchten, beim heuer auf einen Tag reduzierten Angebot zählten die Veranstalter nur mehr an die 9000 Radfans in Frankfurt.
Diese erlebten zwar teils starke Neuerungen, wie etwa einen Trailparcours zum intensiven Test aktueller Mountainbiketechnik, doch die Einschränkungen überwogen: stark verkürzte Teststrecke, weit weniger Auswahl an Probefahrträdern und ein abgespecktes Showprogramm. Sicher spielte beim zurückhaltenden Publikumsinteresse am Festivalsamstag auch die extreme Hitze von über 40 Grad eine Rolle. Hier hatten die Veranstaltenden im Rahmen ihrer Möglichkeiten gut reagiert und Teile der Stände auf dem Außengelände in eine klimatisierte Halle verlegt, zudem gab es mehrere kostenfreie Wasserstellen, um den Flüssigkeitshaushalt im Körper ausgeglichen zu halten oder sich einfach kurz zu erfrischen.
„Fairnamic“ ringt sichtbar um ein tragfähiges Konzept für die Zukunft seiner (einstigen) Leitmesse im Herzen von Europa, dabei soll der Fokus vom kommenden Jahr an mehr auf Fachbesucherinnen und Fachbesuchern liegen. „Das gesamte Team und ich werden jetzt die kommenden Wochen nutzen, um an unserer Vision 2027, das heißt, klarer internationaler B2B-Fokus, kürzere Messedauer und den Umzug in den anderen Geländeteil, weiterzuarbeiten. Unser Profil werden wir noch deutlicher schärfen müssen. Dazu kam wertvoller Input von Kundenseite und aus unserem Beirat“, sagt Fairnamic-Geschäftsführer Philipp Ferger. „Die vielen Gespräche während der Eurobike haben gezeigt, wie groß die Bereitschaft ist, die Zukunft der Leitmesse gemeinsam weiterzuentwickeln. Dieses Feedback werden wir jetzt sorgfältig auswerten und für 2027 den geschäftlichen Nutzen für unsere Aussteller und Besucher noch stärker in den Mittelpunkt stellen. Jetzt geht es auch darum, führende Marken wieder nach Frankfurt zurückzuholen“, ergänzt Eurobike-Showdirektor Matthias Pietsch.
Trotz aller erwähnter Schwächen im selbstbenannten Transformationsjahr der Messe ziehen die Headliner unter den Ausstellenden ein positives Fazit: „Canyon“, Direktversender aus Koblenz, sieht seine Erwartungen „bei weitem“ übertroffen. Man sei sehr zufrieden mit allem, was man habe erreichen können. „Raymon Bicycles“ bewertet die Messe als vollen Erfolg. „Durch die Abwesenheit einiger großer Marktteilnehmer konnten wir die Bühne optimal nutzen und unsere Neuheiten sowie unsere Strategie einem breiten Fachpublikum präsentieren. Die Frequenz an unserem Stand war durchgehend sehr gut und wir haben zahlreiche hochwertige Gespräche mit Händlern, Partnern und Medien geführt“, sagen die Geschäftsführer und Inhaber Susanne und Felix Puello.
Für die Zukunft bleibt die Frage nach der Innovatioskraft der Branche, denn Dinge, die bei den Radenthusiasten offene Münder zurückließen, gab es eigentlich keine zu bestaunen – trotz der Anwesenheit vieler Firmen aus Fernost und dem zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
Wo die wirklichen Neuheiten künftig im Rampenlicht stehen ist derzeit unklar, denn am Horizont macht sich Ungemach für die Eurobike breit. Laut einem Bericht der Hessenschau haben der Zweirad-Industrieverband (ZIV) und der Verbund Service und Fahrrad (VSF) die Zusammenarbeit mit dem einstigen Riesen in Frankfurt beendet und planen eine Konkurrenzmesse in Köln zu veranstalten. 2027 soll dort die „European Bike Show“ den am Main abgeplazten Glanz in der Karnevalsmetropole wieder auflackieren. ZIV und VSF kritisierten an Frankfurt laut der Hessenschau die hohen Standmieten, eine mangelnde politische Relevanz der Messe und fehlende Ordermöglichkeiten. Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) formulierte bei der Eröffnung der 2026er Eurobike, dass es weiterhin der Anspruch des Standorts Frankfurt sei, Leitmesse zu sein. Die Branche wird viel um die Deutungshoheit der konkurrierenden Orte ringen müssen in den nächsten Monaten, so viel ist sicher.
Die Eurobike Nummer 35 steht vom 1. bis 3. September 2027 im Kalender und soll – wie erwähnt – noch stärker die Geschäftskundinnen und -kunden in den Fokus nehmen. Das alles dann auf dem Ostgelände der Messe mit drei Hallen und einem Marktplatz in der Mitte.
