Weiterstadt (sas). Das freundliche Wetter lockte kürzlich rund 300 Besucherinnen und Besucher ans Tännchen anlässlich des Sommerfests der Behindertensportgemeinschaft Weiterstadt – einige Sorgenwolken waren allerdings auch am Horizont zu erkennen.
Seit der Gründung der Behindertensportgemeinschaft Weiterstadt (BSG) vor 52 Jahren gibt es jedes Jahr ein solches Sommerfest. Herzhaftes vom Grill, kühle Getränke und eine Kuchentheke waren im Angebot, unterstützt von 48 Helferinnen und Helfern. Auch Rikscha-Fahrten wurden dieses Jahr angeboten, die Spritztour durch das Tännchen nahmen viele Gäste wahr, darunter auch Bürgermeister Niklas Gehnich und sein Partner Richard Maaß. Die ehrenamtliche Vereinigung des E-Rikscha-Projekts, die auch in der Ehrenamtsagentur ist, steht in gutem Kontakt mit dem BSG, man unterstütze sich gegenseitig, teilt die BSG im Gespräch mit.
Das Ziel der BSG ist es, als Sportverein Menschen mit (und ohne) Einschränkungen in den Mittelpunkt zu stellen und deren Lebensqualität zu erhalten. Der Verein hat keinen eigenen Standort und ist immer angewiesen auf die Orte, an denen die Sportangebote laufen. Der Verein zählt aktuell 330 Mitglieder, davon sind rund ein Drittel von Anfang an dabei. „Mittlerweile jenseits der 80, die aus Treue als Fördermitglieder weiter dabei sein wollen“, so die Vorstandsvorsitzende Ursula Kmoch, die auch als Sportwartin aktiv ist.
Der Verein ist für viele wie eine Familie
Die stellvertretende Vorsitzende Lisa-Marie Bernhardt freut sich, dabei zu sein: „Man hat so viel Austausch mit Menschen aus allen Altersgruppen, es ist cool, dann auch schon mal von einer 90-Jährigen geduzt zu werden.“ Den Blick für die Bedeutung einer funktionierenden Gemeinschaft haben gerade Menschen mit einem Krankheitsbild, die BSG sei für sie wie eine Familie, das bestätigt auch Ursula Kmoch.
Nachfolge im Vorstand dringend gesucht
Zu den Nachwuchssorgen muss die Vorsitzende allerdings auch etwas sagen: „Ich bin seit vielen Jahren im Vorstand, ich und Christel Dillon als Rechnerin hören allerdings nächsten Sommer auf und wir haben noch keine Nachfolger. Wir suchen schon seit drei Jahren auf unseren Veranstaltungen, bislang ohne Erfolg.“ Das Problem hätten tatsächlich viele Vereine, allerdings seien die Möglichkeiten eines Engagements für viele Mitglieder hier eingeschränkter. „Viele kommen durch eine Erkrankung oder einen Unfall in den Verein, um weiter Sport zu treiben und fit zu bleiben, da geht die eigene Gesunderhaltung vor, und es bleibt oft keine Zeit für ein Ehrenamt.“
Bürgermeister Gehnich ist voll des Lobes: „Die BSG ist ein Verein, der Menschen mit Behinderung aus allen Altersklassen eine Heimat gibt, auf solchen Festen kommen sie zusammen und hier werden die Mitglieder dann auch wahrnehmbar. Über den Verein werden Menschen abgeholt, wo sie stehen – dabei sind die hier angebotenen Rikschafahrten auch wertvoll, sie bieten Personen mit Einschränkungen viel größeren Aktionsradius, sie kommen so von Ort zu Ort.“
„Für die Organisation von Veranstaltungen wie dem Sommerfest oder die Weihnachtsfeier zeigen sich viele engagiert, für das langfristige Engagement ist es schon schwieriger.“ Ursula Kmoch gibt ihre langjährigen Erfahrungen allerdings gerne an potenzielle Nachfolger:innen weiter, sagt sie. Über das regelmäßige Angebot des Vereins wie „Commute and Walk“ und Reha-Sport oder die Tagesausflüge können sich Interessierte über bsg-weiterstadt.de informieren.

