Pfungstadt (red). Nach zweijähriger Vorbereitung will der Sozialverband VdK in Pfungstadt ein neues Angebot zur Entlastung von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen schaffen. Unter dem Titel „Von Mensch zu Mensch“ soll die „VdK-Nachbarschaftshilfe Pfungstadt“ ab September oder Oktober 2026 begleitende, aktivierende und soziale Unterstützung im Alltag anbieten, geht aus einer aktuellen Pressemitteilung hervor.
Das Angebot richtet sich an pflegende Angehörige, die entlastet werden sollen, sowie an ältere Menschen zur Prävention gegen Einsamkeit. Vorgesehen sind unter anderem Betreuung und Aktivitäten, etwa gemeinsames Zeitverbringen, Spaziergänge sowie Begleitung zu Ärzten oder Behörden. Auch Hilfen im Haushalt wie Einkäufe, kleine Kochaufgaben, Blumengießen oder leichte Reinigungsarbeiten können dazugehören. Die konkreten Unterstützungsangebote sollen individuell abgesprochen werden. Pflegerische Aufgaben sind ausgeschlossen.
Bevor der VdK das Angebot am Ehrentag am 23. Mai öffentlich bekannt machte, hatte der Ortsverband unter seinen rund 1200 Mitgliedern in Pfungstadt eine Umfrage gestartet, berichtet Ortsverbandsvorsitzender Hans-Jürgen Wittig. Dabei wurde abgefragt, ob Bedarf an dem Angebot besteht und ob sich Mitglieder ehrenamtlich als Nachbarschaftshelferinnen oder Nachbarschaftshelfer engagieren möchten. Nach Angaben des VdK war die Resonanz sehr groß.
Der VdK Pfungstadt sucht zudem die Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren. Geplant sei unter anderem eine Kooperation mit der Gewobau Pfungstadt, die über einen großen Wohnungsbestand verfüge und viele ältere Mieterinnen und Mieter habe. Auch der Beirat der älteren Generation soll mit der „VdK-Nachbarschaftshilfe Pfungstadt“ kooperieren. Darüber hinaus werde die Zusammenarbeit mit Gemeindeschwestern, dem Pflegestützpunkt, Pflegedienstleistern und weiteren in der Pflege tätigen Akteuren in Pfungstadt angestrebt, so Wittig.
Zu einem öffentlichen Informationsabend lädt der VdK für Freitag, 26. Juni, um 18 Uhr ins Mühlbergheim, Kantstraße 21, ein. Eingeladen sind neben interessierten Bürgerinnen und Bürgern auch Vertreterinnen und Vertreter der Pfungstädter Politik. Vorsitzender Wittig verweist auf die hohe Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland. Derzeit seien rund sechs Millionen Menschen pflegebedürftig. Etwa 800.000 Betroffene lebten in stationärer Pflege, während rund fünf Millionen Menschen zu Hause überwiegend von Angehörigen betreut würden. Pflegende Angehörige versorgten 86 Prozent der Pflegebedürftigen im eigenen Zuhause, häufig ohne Unterstützung von Pflegediensten. Dies betreffe auch die Situation vor Ort in Pfungstadt.
Vor diesem Hintergrund sieht der VdK Pfungstadt in seiner Pressemitteilung auch die Kommune in der Verantwortung. Unterstützungsangebote für Pflegebedürftige, die zu Hause leben, müssten leichter zugänglich werden. Dies gelte umso mehr, da die Zahl der Pflegebedürftigen weiter steigen werde. Laut Prognose werde in Hessen in den kommenden fünf Jahren mit einem Anstieg um mehr als zehn Prozent gerechnet.Als weiteren Schritt fordert der VdK Pfungstadt die Einrichtung eines sogenannten Pflegetischs in Pfungstadt. An diesem sollen ein- bis zweimal im Jahr alle Akteure der Pflege zusammenkommen, darunter Pflegedienste, Sozialverbände, Seniorenbeirat, örtliche Selbsthilfegruppen, Nachbarschaftshilfen, Vertreter von Ärzten und Apotheken, der Pflegestützpunkt des Landkreises, Gemeindeschwestern sowie gegebenenfalls weitere Beteiligte.
Der Pflegetisch sollte nach Vorstellung des VdK auf Einladung und unter Organisation der Kommune stattfinden. Ziel sei es, Bedarfe zu erfassen, Prioritäten zu setzen und die Vernetzung vor Ort zu stärken, um die gemeindenahe Versorgung zu verbessern.
