Kreis Bergstraße (mic). Starkregenereignisse und Hochwasser stellen Kommunen und Bürger zunehmend vor große Herausforderungen. Im Rahmen eines Modellprojektes, das mit Mitteln des Landes Hessen finanziert wird, hat der Kreis mit dem Aufbau eines Starkregen-Risikomanagementsystems begonnen. Die Investitionssumme für das Projekt beträgt rund 821.000 Euro; davon stammen knapp 660.000 Euro vom Land. Koordiniert wird das Ganze von der „ekom21“. Ziel des Projekts sei es, Einsatzkräfte sowie Bürgerinnen und Bürger schneller über Gefahrenlagen zu informieren.
„Mit dem Starkregen-Risikomanagement sollen außerdem Handlungsspielräume geschaffen werden. Mit dem neuen System sind dann verschiedenen Daten auf einer Plattform zusammengeführt“, sagte Landrat Christian Engelhardt beim Pressegespräch vergangene Woche im Landratsamt. Kernstück der Datenmessung sind die zahlreichen Sensoren, die bis Jahresende flächendeckend auf dem Kreisgebiet gesetzt werden.
Zu den bereits bestehenden etwa 30 Sensoren des hessischen Landesamts für Umwelt- und Naturschutz kommen nun aktuell noch 95 weitere hinzu, die der Kreis ab sofort im Rahmen des Projekts an markanten Stellen installieren lässt. Dabei gibt es 51 Wassersensoren in Bächen sowie 28 Niederschlagswassersensoren, die die jeweils aktuelle Regenmenge messen. Ferner 16 Sensoren zur Messung der Bodenfeuchte.
Einer dieser runden Wassersensoren ist in etwa so groß wie ein Eishockey Puck und der dazu gehörige Datensender hat die Maße eines dicken Taschenbuchs. Darin befindet sich Elektronik, eine Batterie, die einige Jahre hält und eine Sim-Karte, mit der die Daten regelmäßig in das Handy-Funknetz eingespeist werden. Von dort gehen die Messdaten direkt in eine Cloud und werden dann von einer Software-Firma für eine Homepage weiterverarbeitet.
Diese Plattform gibt es bereits und mittelfristig sollen alle interessierten Bürgerinnen und Bürger darauf zugreifen können. Alle Kommunen sollen eine Freigabe für das System im kommenden Frühjahr erhalten, wie der Landrat ergänzte. Die Gefahrenabwehr des Kreises kann das jetzt schon. Eine Mitarbeiterin von einem der technischen Partner des Projekts fügte beim Pressegespräch an, dass auch KI am System beteiligt ist. Die künstliche Intelligenz wird später in der Lage sein aus den aktuellen Messdaten aller Sensoren eine unmittelbar bevorstehende Gefahrenlage vorauszuberechnen und dann entsprechend zu warnen.
Doch damit die KI diese Echtzeitanalyse auch genau berechnen kann, braucht sie vorab viele Messdaten, mit denen sie nun ein Jahr lang „gefüttert“ wird. Das sei der Grund, warum das System voraussichtlich erst in 2028 für alle Bergsträßerinnen und Bergsträßer online gehen wird. Das Ganze sei daher ein lernendes System, das aus Starkregenereignissen dann seine Schlüsse ziehen könne. Die KI-Lernphase soll im Januar starten und schon Ende des kommenden Jahres erwarte man erste belastbare, lokal differenzierte Prognosen und nutzbare Vorwarnungen. Auch die Bürgerinnen und Bürger könnten somit frühzeitig gewarnt werden und bekämen auch Zeitfenster, um selbst aktiv zu werden und sich zu schützen.
