Weiterstadt (sas). Es ist wieder soweit: Das kleine Kino in Weiterstadt wird elf Tage lang zum Hotspot der südhessischen queeren Filmkultur. Vom 29. Oktober bis zum 8. November findet im Kommunalen Kino Weiterstadt die 30. Ausgabe des Queer-Filmfests statt.
Im Mittelpunkt des Festivals stehen wie immer Filme mit verschiedenen Perspektiven auf queeres Leben und Erleben. Die Filme sollen den Dialog über Akzeptanz und Gleichberechtigung anregen und auf Ungerechtigkeit und Diskriminierung aufmerksam machen. Auf dem Festival werden 14 Langfilme und 23 Kurzfilme gezeigt.
Zur Geschichte: Das Kommunale Kino Weiterstadt feiert in diesem Jahr das queere Filmfest-Jubiläum ohne ihren Gründervater Jochen Pollitt, der Anfang des Jahres verstorben ist. Jochen Pollitt hat das Festival damals als schwul-lesbische Filmtage gegründet und mit seinem Engagement queere Filmwelten nach Weiterstadt gebracht. Er war auch maßgeblich an der Gründung des Kommunalen Kinos und des Open Air-Filmfests beteiligt, das überregionales Ansehen genießt.
Zum Programm: Los geht es am 29. Oktober mit einer Performance der Darmstädter Dragqueen Koko von der Line und dem Eröffnungsfilm She’s the He (2025): Ethan und Alex beschließen, sich vor dem Schulabschluss als Transfrauen auszugeben, um Gerüchte über ihre Homosexualität auszuräumen. Dabei beginnt Ethan, die eigene Geschlechtsidentität zu hinterfragen.
Normalerweise zeigt das Queer Filmfest ausschließlich Filme aus den vergangenen zwei Jahren. Für das Jubiläum werden dieses Jahr aber auch zwei ältere Produktionen gezeigt: Stonewall (1995) und Kiki (2016). Stonewall greift die Ereignisse rund um die Stonewall-Aufstände von 1969 und ihre Bedeutung für die LGBTQ*-Bewegung auf. Eine Besonderheit: Dieser Film wird auf 35 mm gezeigt.
Kiki gewann vor zehn Jahren den ersten Debütfilmpreis des Filmfestivaldachverbands Queer Scope. Die Dokumentation gibt Einblicke in die New Yorker Kiki-Szene und begleitet sieben junge queere Menschen über mehrere Jahre. Sie erzählen von ihrem Alltag, ihren Wünschen und Erfahrungen mit Diskriminierung und treten bei Kiki-Balls in unterschiedlichen Kategorien gegeneinander an.
Der aktuelle Gewinner des Queer Scope-Debütfilmpreises wird ebenfalls präsentiert mit Der Heimatlose (2026), der am 8. November, um 17 Uhr, im Kommunalen Kino läuft. In Der Heimatlose kehrt der queere Protagonist Hein nach 14 Jahren auf seine Nordseeinsel zurück, doch niemand erkennt ihn. Ein Dorfgericht zweifelt schließlich an seiner Identität und bald wird er zum Außenseiter.
Die beliebten Kurzfilmveranstaltungen sind auch wieder im Programm: der Kurzfilm-Abend, der Kurzfilm-Brunch und die mittellangen Filme. Beim Kurzfilm-Abend und beim Brunch erhalten die Gäste eine Kleinigkeit zu Essen und viele Filme zum Anschauen. Die Reihe der mittellangen Filme widmet sich Produktionen zwischen 20 und 60 Minuten – einem Format, das im regulären Kinobetrieb und selbst auf Festivals nur selten seinen Platz findet.
Zu jedem Langfilm gibt es ein halbstündiges Rahmenprogramm von thematisch passenden Kurzfilmen über Gespräche mit kooperierenden Vereinen bis hin zu Interviews mit Filmschaffenden. Dabei werden die Filme nicht nur gezeigt, sondern auch kontextualisiert. Die Gespräche und Interviews geben dem Publikum spannende Impulse und Hintergrundinformationen. Das Kino-Team will nicht nur queeres Kino zeigen, sondern auch Raum für den Austausch über queere Themen und für Begegnungen schaffen.
Das vollständige Programm ist online abrufbar auf queer-weiterstadt.de. Tickets sind online oder an der Abendkasse erhältlich. Das Kommunale Kino ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus Darmstadt gut erreichbar.
